Sonntag, 19. Februar 2017

Wort zum Sonntag.

Darmstadt 1840
"Wenn damit der Liberale die Dezentralisation in allen Sphären zum Programm erhebt, handelt er aus einer Weisheit, die alle menschliche Erfahrung für sich hat. So wird er zum Anwalt der Trennung der Gewalten, der staatsfreien Sphären, der ‚corps intermédiaires’ (Montesquieu), der geistigen Freiheit, des Eigentums als Normalform der wirtschaftlichen Existenz der Menschen, der wirtschaftlichen und sozialen Dezentralisation, des Kleinen und Mittleren, des wirtschaftlichen und geistigen Wettbewerbs, der kleinen Staaten, der Familie, der Universalität der Kirchen, der sozialen Gliederung. So wird er zum unversöhnlichen Gegner des politischen, wirtschaftlichen und geistigen Zentralismus, des Kolossalen, der Monopole (auch derjenigen des Staates oder der Gewerkschaften), des Kollektivismus, der Mammutgebilde, der Vermassung, der Riesenstädte, der Anhäufung des Reichtums, des Imperialismus." (Wilhelm Röpke, Maß und Mitte)

Donnerstag, 16. Februar 2017

Kurzprogramm, Finale Version

Narrenschiff Darmstadt



Umdenken statt „Weiter so“

Kurzprogramm

1.Dezentralisierung und Demokratisierung der Stadt: Ortsbeiräte für die Stadtteile Darmstadt, Bessungen, Arheilgen, Eberstadt und Kranichstein.

2. Verkehrsbelastung gerechter verteilen. Darmstadt braucht keine Umgehungs- sondern Entlastungsstraßen. Der Eifelring ist bis zur Gräfenhäuser Straße zu verlängern. Darmstadt braucht eine Verbindung des Martin-Luther-King-Rings mit der Erbacher Straße. Der Böllenfalltorweg kann als Entlastungsstraße bis zur Eugen-Kogon-Straße dienen.

3. Cityring“ zurückbauen. Bestechliche Politiker und geldgierige Investoren haben die Darmstädter Innenstadt vor 40 Jahren in eine Betonwüste verwandelt. Die Bausünden des „autogerechten“ Umbaus der Innenstadt müssen beseitigt werden.

4. Parkmonopol beseitigen. Der politische und ökonomische Filz der 70iger Jahre schuf ein teures Parkhaus-Monopol, das die Stadt verschandelt. Parken am Straßenrand muß wieder möglich und bezahlbar sein.

5. Regiotram für 100.000 Pendler. Das veraltete Straßenbahnsystem ist zu einem leistungsfähigen Stadtbahnsystem umzubauen und mit den regionalen Schienennetzen zu einer „Regiotram“ nach Kasseler Vorbild zu verbinden. Nur so schaffen wir einen Quantensprung im ÖPNV. 100.000 Pendler kommen aus dem Umland, vor allem Familien wohnen dort, auch sie sind „Darmstädter“.

6. Wohnungen: Mut zur Wahrheit. Wer den Bürgern 10.000 neue „bezahlbare“ Wohnungen verspricht, will betrügen. Die als Lösung angebotene „Nachverdichtung“ würde die Lebensqualität erheblich verschlechtern .In der Stadt kann nur noch in geringem Maß Wohnraum durch Lückenschluß oder Konversion entstehen. Die Lösung liegt in der Vernetzung mit der Region. Nur dort gibt es noch „bezahlbaren Wohnraum“.

7. Die sozialen Brennpunkte der Stadt sind vor allem Folgen einer verfehlten Stadtbaupolitik. Die Stadt schafft mit einer 1.000-Personen-Unterkunft für Asylbewerber am Sensfelder Weg gerade einen weiteren sozialen Brennpunkt. Umdenken statt weiter so.

8. Umwelt: Alleen und baumbestandene Plätze sollen wieder in die Stadt zurückkehren. Ein neuer „Verkehrskompromiß“ könnte das möglich machen. Die Lichtwiesenbahn ist sinnfrei und zerstört einen innerstädtischen Park.

9. Darmstadt muß aus der mißratenen „Energiewende“ aussteigen. Wir können es nicht zulassen, daß vor unserer Tür der Odenwald mit 400 Windrädern vom Natur- zum Industriepark wird. Die steigenden Energiepreise werden bis 2025 eine vierköpfige Familie 35.000 Euro kosten. Die Beteiligung der HEAG an Windparks im Odenwald ist zu beenden.

10. Kinderbetreuungseinrichtungen auch an Schulen sollen den Bedarf decken, und nicht der Ideologie der an der Vollzeitbeschäftigung beider Eltern orientierten „Lufthoheit über den Kinderbetten“ dienen.

11. Kulturpolitik ist in Darmstadt Staatstheaterpolitik. Derzeit zahlen Stadt und Land 33 Mio per anno für das Staatstheater. Da bleibt nicht mehr viel für die Förderung freier Initiativen. 

12. Sport: Der Neubau und Umzug des SV 98-Stadions muß zügig erfolgen. Der alte Standort taugt schon seit Jahrzehnten nicht mehr.

13. Partnerstädte: Das als Instrument der europäischen Versöhnung geschaffene Vertragswerk der „Partnerstädte“ weist eine Lücke aus. Eine russische Partnerstadt fehlt. Der Kalte Krieg ist zu Ende.


Kirchturmdenken überwinden.
Hans Mohrmann.
Oberbürgermeister für Darmstadt.


Sonntag, 12. Februar 2017

Sonntagsbild und Sonntagswort

El Greco, die Hochzeit der Jungfrau

Es ist auch gesagt / Wer sich von seinem Weibe scheidet/der soll ihr geben einen Scheidbrieff. Ich aber sage auch/wer sich von seinem Weibe scheidet/es sey denn umb Ehebruch/der macht/das sie die Ehe bricht/und wer eine Abgescheidete freiet/der bricht die Ehe. (Luther-Übersetzung, Matthäus 5, 31,32) Tages-Evangelium von 12.2.2017

Samstag, 11. Februar 2017

Programm: 2. Verkehrsbelastung gerecht verteilen.



Hügelstraße 16 vor dem Krieg noch ohne Stadtautobahn.
Die Hügelstraße, heute Teil der Stadtautobahn "City-Ring", ist ein typisches Beispiel für die ungerechte Verteilung der Verkehrsbelastung. Um des Kommerzes willen wurde der Straßenverkehr von der Rheinstraße in die Hügelstraße verlegt. Von einer Geschäftsstraße also in eine Wohnstraße, an der vor allem Sozialwohnungen des Bauvereins liegen.

Die Hügelstraße ist heute die schmutzigste und lauteste Straße der Stadt. Kommerz und die zarten Sinne der Bewohner der "grünen Viertel" gehen vor den Belangen der Sozialmieter an einer Straße, die eigentlich schon immer eine Wohnstraße war. 


Enlastungsstraßen könnten helfen.


Wer aber in Google "Darmstadt" und "Umgehung" eingibt, wird vor allem finden, daß in Darmstadt jede Menge "Gegen-"-Initiativen existieren.


Aber das Bild ist nicht zutreffend.


So gab es eine Initiative in Darmstadt, die BI gegen die "Osttangente", die gleichzeitig für eine Umgehungsstraße, oder korrekter gesagt, eine Entlastungsstraße eintrat. Diese Straße sollte in Fortsetzung des Martin-Luther-King-Rings westlich entlang der Odenwaldbahn das Martinsviertel vom Durchgangsverkehr entlasten.


Die Ost-Tangente war als vierspurige Stadtautobahn mitten durch das Martinsviertel geplant. Die alten Häuser an der Arheilger Straße wären abgerissen worden, das Martinsviertel wäre zum "Trassenviertel" mutiert.


Die Alternativ-Trasse nannte sich "Advokatentrasse", weil sie als Gegenentwurf zur Ost-Tangente von den Planeradvokaten des Sanierungsgebietes Martinsviertel entworfen wurde. Doch sie wurde durch die bewußte und gewollte Genehmigung von Gebäuden auf dieser Trasse durch den berühmt-berüchtigten Planungsdezernenten Reißer zumindest erschwert.


Eine "Umgehung" braucht kein Mensch, eine "Entlastung" aber sehr wohl, denn wer etwa aus Kranichstein in Richtung Böllenfalltor will, muß mitten durch die Stadt, durch die viel zu enge Kranichsteiner Straße etwa.


2. Verkehrsbelastung gerechter verteilen. Darmstadt braucht keine Umgehungs- sondern Entlastungsstraßen. Der Eifelring ist bis zur Gräfenhäuser Straße zu verlängern. Für die Verbindung des Martin-Luther-King-Rings mit der Erbacher Straße braucht es neue Ideen. Der Böllenfalltorweg ist als Entlastungsstraße bis zur Eugen-Kogon-Straße auszubauen.


Freitag, 10. Februar 2017

Programm: 1. De-Zentralisierung und Demokratisierung

Eine Hommage an Wilhelm Röpke
Wie groß ist Darmstadt? Wer einen Spaziergang vom Ostbahnhof zum Hauptbahnhof macht, wird eine ungefähre Ahnung gewinnen. Mehr als eine Dreiviertelstunde braucht ein strammer Marschierer nicht, um einmal die Stadt von Ost nach West zu durchqueren.

In der Kernstadt leben, wenn man die statistischen Bezirke Darmstadt-West und Darmstadt-Nord großzügigerweise dazuzählt, weniger als 60.000 Menschen. Eine eher kleine Mittelstadt.


Erst wenn man die seit 1888 eingemeindeten Kleinstädte Bessungen (eingemeindet 1888) mit rund 13.000 Einwohnern, den anschließenden Stadtteil Darmstadt-West mit rund 16.000 Einwohnern, die 1938 durch den NSDAP-Gauleiter Sprenger zwangseingemeindeten ehemals selbständigen Kleinstädte Arheilgen (rund 17.000 Einwohner) die Mittelstadt Eberstadt (rund 22.000 Einwohner), sowie die erst in den 70ger Jahren entstandene "Trabantenstadt" Kranichstein (11.000 Einwohner) dazuzählt wird die Mittelstadt Darmstadt zur Großstadt.


Daß seit 1977 auch die Kleinstadt Wixhausen mit rund 6.000 Einwohner dazugehört, haben wir dem jakobinisch-sozialistischen Ungeist der 1977 von der damaligen sozialliberalen Koalition veranstalteten "Gebietsreform" zu verdanken.


Soziologisch und historisch aber ist "Darmstadt" nur der kleinere Teile eines Konglomerates von Klein und Mittelstädten.


Dennoch haben diese kleinen und mittleren Städte, bis auf Wixhausen, auch den letzten Rest von Autonomie verloren. Darmstadts OB und Stadtverordnetenversammlung regieren gleichsam absolutistisch über Stadtteile, denen man seit teilweise mehr als hundert Jahren noch nicht einmal einen Ortsbeirat gönnt.


Immer dann, wenn es einer wieder einmal anregt, wenigstens für ein paar Stadtteile die in der HGO vorgesehenen Ortbeiräte einzurichten, wird dies meistens aus eine GANZ GROßEN KOALITION aus SPD, CDU, Grünen, FDP, Linken und "UFBASSE" abgelehnt. Die Stadtteile seien ja auch schon in der StaVo repräsentiert, heißt es dann.


Allerdings, wie man weiß, sind sie dort eben immer eine Minderheit, die aus politischen Gründen in der Regel überstimmt wird. So geschehen bei der Auseinandersetzung um die Straßenbahn nach Kranichstein, die auf den fast einhelligen Widerstand der Kranichsteiner stieß, ebenso wie die Verlängerung der Straßenbahn in Arheilgen.


1. Dezentralisierung und Demokratisierung der Stadt: Ortsbeiräte für die Stadtteile Darmstadt, Bessungen, Arheilgen, Eberstadt und Kranichstein.
Erklärung: Die in der Regel zwangseingemeindeten Stadtteile außer Wixhausen besitzen keinerlei Autonomie mehr, Darmstadt regiert über diese Stadtteile und über die Köpfe der Einwohner hinweg.

Wilhelm Röpke hielt die "Konzentration" sei es in ökonomischer oder politischer Hinsicht für das Erbübel schlechthin. Röpke gilt als einer der "Väter" der politischen Theorie der sozialen Marktwirtschaft.

Donnerstag, 9. Februar 2017

Nazis, Sozis und die Stadt

Darmstadt Marktplatz Jahrhundertwende
Ich habe mich immer wieder gefragt, wie es eigentlich kam, daß der Altoberbürgermeister Ludwig Metzger, der wegen seiner politischen Überzeugung als Sozialdemokrat 1933 aus dem Staatsdienst entlassen wurde, sich nach dem Krieg mit notdürftig "gewaschenen" ehemaligen NSDAP-Mitgliedern umgab, die die Planung des Wiederaufbaus der Stadt und die Baupolitik der TH besorgen sollten.

Eigentlich war in der an begabten Architekten und Stadtplanern nicht armen Stadt Darmstadt ja genug Sachverstand konzentriert, und zwar ohne braune Flecken auf der Weste. Es hätte ja auch der künstlerisch begabte Otto Bartning werden können, der die Linien der Stadtplanung vorgab, oder der Architekturhistoriker Professor Karl Gruber.


Karl Gruber wurde immerhin in der allzu kurzen Aufbruchsphase nach dem Krieg noch zum Leiter der Wiederaufbaukommission der TH ernannt. Sein Wiederaufbauplan für die Altstadt aber blieb unberücksichtigt.


Nicht Gruber wurde 1946 zum Oberbaudirektor der Stadt ernannt, sondern der Albert-Speer-Jünger und gerade frisch mit einem "Persil-Schein" gewaschene NS-Architekt Peter Grund. Und in seiner Zeit als Kultusminister protegierte ausgerechnet Metzger dann auch noch Grunds Ex-Parteigenossen Herbert Rimpl und Ernst Neufert. Beide gelangten in höchste Ämter an der TH Darmstadt.


Gemeinsam machten sich diese drei daran, die Altstadt im Speerschen Sinne zu dekonstruieren. Dutzende Privatgrundstücke wurden flächendeckend enteignet, die Trümmer der Altstadt mit Bulldozern zum Planum einer überdimensionierten Aufmarschstraße - der Landgraf-Georg-Straße - zusammengeschoben. Auf der südlichen Seite blieb inmitten einer spärlichen Randbebauung eine Brache, die euphemistisch als "Park" deklariert wurde, nördlich machten sich die banalen Zweckbauten der TH breit. 

Mit alten Nazis ... hatte Metzger keine Probleme. Schon 1947 (richtig: 1946) berief er den NS-Architekten Peter Grund zum Darmstädter Oberbaudirektor; zeitgleich erhielten Grunds ehemalige Parteigenossen Herbert Rimpl und Ernst Neufert höchste Ämter an der Technischen Hochschule. Rimpl entwarf den Generalplan für den Wiederaufbau der TH. Neufert stapelte das Gewünschte mit größtmöglicher Rücksichtslosigkeit ins Weichbild der Darmstädter City.
... Gegen Grund hatte Karl Gruber - selber TH-Professor - keine Chance. Gruber hatte schon 1945/46 einen Wiederaufbauplan entwickelt, der behutsam versuchte, Stadtgeschichte und Stadtform in eine der Neuzeit gemäße Topografie zu überführen. Das Grand Design, das nun zum Zuge kam, wischte dagegen alle historischen Grundrisse vom Tisch. (Honold, Echo, Die Tote-Hosen-Zone der TU)
Die Altstadt war damit plattgemacht, im wahrsten Sinn des Wortes, und mit überdimensionierten Straßenbauten zerschnitt Grund anschließend die Neue Vorstadt, Mollers Design.

Die verbleibenden schäbigen Reste erledigte dann der Filz aus "Investoren" - vor allem einem Investor - und einer faulen, korrupten und offenbar nach dem Baustoff Beton süchtigen Koalition aus praktisch allen politischen Parteien Darmstadt. 


Professor Karl Gruber durfte die Stadtkirche wieder aufbauen, mehr nicht. Das Kaufhaus Fuld hinten rechts gehörte einer der einflußreichsten jüdischen Familien Darmstadts. Das Bild muß daher vor 33 und wohl kurz nach der Jahrhundertwende entstanden sein.

Montag, 6. Februar 2017

Montagsbild: das "Kleine Haus"

Herkunft des Bildes: http://www.dein-darmstadt.de/bilder/alle

Das Kleine Haus war ursprünglich eine Reithalle und bis zur Brandnacht eines der ältesten Theatergebäude Deutschlands. Es brannte nieder, wäre jedoch, wie andere Gebäude, wieder rekonstruierbar gewesen.

Trotz Widerstands aus der Bevölkerung, die mit 18.000 Unterschriften den Wiederaufbau des Theaterensembles forderten, fiel das Theater dem Neuerungswahn zum Opfer.

Ein früherer Planungsdezernent warf den Darmstädter Abrißbirnen später einmal vor, "Krieg gegen geschichtliche Denkmale" geführt zu haben und noch immer zu führen. "Sozialistische Intoleranz gegenüber feudalen Bauwerken" sei ausschlaggebend dafür gewesen, dass "die Stadt Darmstadt und das Land Hessen in der Vergangenheit wichtige historische Bauten verkommen ließen und dem Erdboden gleichmachten".

So kann man das sagen.